Sag mir, dass alles gut wird!
- Mirjam Hecky
- 9. Feb.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. März
Warum die unbequemen Wahrheiten niemand hören will
Achtung! Ich teile hier eine Beboachtung und positioniere mich keineswegs politisch.
Warum fällt es uns Menschen so schwer, der Realität ins Auge zu blicken - selbst dann, wenn wir wissen, dass Veränderung notwendig ist?
Und warum haben Menschen mehr Vertrauen in Versprechen, die gut klingen, aber völlig unrealistisch sind – anstatt in harte Wahrheiten, die unangenehm sind, aber dafür ehrlich?
In der aktuellen politischen Diskussion – so kurz vor der anstehenden Bundestagswahl – beobachte ich genau diese Muster: Eine Partei (in diesem Fall „Die Grünen“) kommuniziert (unter anderem) offen, dass Energie teurer wird, die Inflation weiter kicken wird, die innere Sicherheit im Vordergrund steht und in die NATO investiert werden muss, dass sich unser aller Leben verändern wird, die fetten Jahre erstmal vorbei sind und dass das auch weh tun wird und jeder seinen Teil dazu beitragen muss.
Andere Parteien umgehen diesen Realtitätscheck gezielt. In den Wahlprogrammen, die ich gelesen habe, ist wenig davon zu spüren, dass Veränderungen als Einschnitt für alle beschrieben werden. Im Gegenteil: Viel Selbstbeweihräucherung, nicht nachvollziehbare und wenig realistische Versprechungen. Formulierungen, die auf das Einfangen von Wählerstimmen ausgerichtet sind.
Und die Folge? Die Partei „Die Grünen“ haben durch Ihre Offenheit und Transparenz nicht nur Sympathie, sondern auch Wählerstimmen verloren. Nicht, weil sie zwingend falsch liegen, sondern weil sie ehrlich sind und das niemand hören und wahrhaben will.
Und dieses Muster beobachte ich nicht nur in der Politik, sondern auch in Teams und in der Arbeit mit Führungskräften.
Wahrheit? Nein, danke!
Warum fällt es uns so schwer, der Realität ins Auge zu blicken? Warum klammern wir uns an alte Muster, selbst wenn sie uns nicht guttun? Die Psychologie zeigt, dass es eine ganze Reihe von Mechanismen gibt, die uns genau das tun lassen:
Kognitive Dissonanz
Darüber habe ich bereits in einem vorherigen Blogartikel gesprochen (Du bist nicht "zu irgendwas"). Unsere Gehirn mag keine Widersprüche und unangenehme Wahrheiten erzeugen Spannungen, die wir unbewusst reduzieren oder vermeiden wollen (z. B. ignorieren, vermeiden, wegdiskutieren etc.), um das eigene Bild von der Realtität stabil zu halten
👉🏻 „Ich leide zwar, aber wenigstens ist mir der Schmerz vertraut! Deshalb bitte alles so lassen wie es ist! Danke!“
Status-Quo-Bias
Verlustaversion
Illusorische Kontrolle
Und genau hier liegt die Herausforderung für Deine Führungsarbeit:
Dein Team lehnt Veränderung nicht ab, weil sie keinen Sinn macht – sondern weil sie Angst vor dem Unbekannten haben. Deine Aufgabe ist es, genau das zu erkennen und diesen Übergang zu erleichtern.

💡 Erkenntnis: Wir entscheiden uns oft nicht für die beste Lösung, sondern für die bekannte.
💡 Erkenntnis: Realtiät ist unbequem, also blenden wir sie gerne aus.
💡 Erkenntnis: Frage Dich auch, ob wirklich Dein Team ein Thema mit Veränderung hat, oder ob Du selbst es bist!?
Dein Team will nicht hören, dass es weh tut
Genauso wie sich Wählende lieber von nicht haltbaren Versprechungen beruhigen und täuschen lassen, statt sich mit den realen Konsequenzen auseinanderzusetzen, passiert das auch in Teams:
„Hier muss sich etwas ändern!“
Aber bitte nicht, so lange ich da bin!
„Der Ablauf funktioniert überhaupt nicht!“
Ich machs schon super! Sollen erstmal die anderen was ändern.
„Wir müssen als Team besser zusammenarbeiten!“
An mir liegts nicht!
Und hier stehst Du als Führungskraft vor großer Herausforderung:
Wie schaffst Du es, Dein Team auf notwendige Veränderungen vorzubereiten und diese dann auch umzusetzen – ohne auf Widerstand zu stoßen?
Gar nicht! Denn es wird Widerstand geben! Die Kunst ist, wie Du mit dem Widerstand umgehst, statt Widerstand zu vermeiden, Dinge durch die Blume zu sagen oder gar nicht erst zu kommunizieren.
Und dazu musst Du vielleicht erstmal vor Deiner eigenen "Haustür kehren"....
Wie gehst Du selbst mit Veränderungen um?
Vermutlich ist es auch für Dich nicht ganz leicht, mit klaren Worten unanagehme Wahrheiten auszusprechen, bei Veränderungen hartnäckig dranzubleiben und für deren Umsetzung zu sorgen. Warum ist das so?
☹️ Angst vor Ablehnung Wenn ich harnäckig bin und die Wahrheit sage, erfahre ich Kritik, verspiele Vertrauen. "Lieber nicht!"
🌸 Harmoniebedürfnis Ich sags lieber durch die Blume und vermeide die direkte Konfrontation, damit mir niemand böse ist und ich es jedem recht machen kann. "Dann mögen mich alle!"
🙈 Selbstschutz Ich will nicht als „der/die Böse“ dastehen. "Das halte ich kaum aus!"
⏳ Prinzip Hoffnung Vielleicht löst sich das Problem ja irgendwann von selbst. "Dann mach ich jetzt mal lieber nix!"
🤹🏼 Aufschieben statt Anpacken
Ich tue Dinge, die nichts zur Lösung des Problems beitragen oder schiebe wichtige Aufgaben zugunsten weniger relevanter Tätigkeiten auf (sog. Ersatz- oder Übersprungshandlungen, Prokrastination). "Hauptsache ich bin beschäftigt!"
Zum letztem Punkt: Studien zeigen, dass prokrastinierendes Verhalten mit erhöhtem Stress, Depressionen, diffusen Ängsten und verminderter Lebenszufriedenheit einhergehen. Betroffene führen Ersatzhandlungen durch, die kurzfristig angenehmer erscheinen - weil Sie ermöglichen, der Realität zu entrücken, jedoch langfristig negative Konsequenzen haben. Sowohl für die Person selbst (z. B. Schädigung der Gesundheit), als auch für die Umgebung, die die Folgen mittragen muss (z. B. Schädigung des Unternehmens). (Vgl. Fleischmann, Christina: Aber danach fang ich wirklich an. Artikel aus: Psychologie heute, Ausgabe 05/2024).
Doch die Wahrheit ist – in der Politik wie in Deiner Führung: Nur weil Du unangenehme Wahrheiten vermeidest, Konflikten aus dem Weg gehst und unangenehme News verschlüsselt kommunizierst – bedeutet das nicht, dass die Probleme nicht exisiteren, weniger werden oder Du nichts tun musst!
💡 Erkenntnis: Führen heißt, die Dinge trotzdem ansprechen und angehen – bei allen inneren Einwänden, die Du selbst in Dir spürst. Es ist Deine Verantwortng, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, da führt kein Weg dran vorbei.
Führung heißt auch, Dich selbst zu überwinden und zu überholen.
Deine "Führung To-Go"
Du kannst Dein Team auf die Realität und auf Veränderungen vorbereiten und es dabei begleiten, ohne es zu verlieren oder auf massiven Widerstand zu stoßen:
Verbinde radikale Klarheit und Respekt miteinander
❌ Nicht: „So ist es eben, finde Dich damit ab!“
❎ Sondern: „Ich weiß, das es schwer ist. Wir bleiben da jetzt trotzdem dran und sprechen ehrlich über eure Einwände!“
Bringe Verständnis für Widerstände auf
❌ Nicht: „Ja wenn es für alle so schwer ist, dann machen wir das lieber nicht.“
❎ Sondern: „Ich verstehe die Sorge. Was brauchen wir, um das gemeinsam zu bewältigen?“
Biete Sicherheit durch Struktur
❌ Nicht: „Wir probieren einfach mal was aus. Wird schon gutgehen. Ich bin ja da!“
❎ Sondern: „Hier der Fahrplan, wir gehen schrittweise vor, gestalten das Tempo gemeinsam!“
Beziehe Dein Team echt (!) und aktiv ein
❌ Nicht: „Ich hab das so entschieden, ihr müsst mitziehen!“ oder „Danke für deinen Vorschlag, wir machens trotzdem so, wie ichs will!“
❎ Sondern: „Lasst uns gemeinsam überlegen, wie es gehen kann. Mir ist es wichtig, euch an meiner Seite zu haben.“ und "Ich bin bereit, mich auf Eure Sichtweisen einzulassen."
💡 Erkenntnis: Veränderung braucht Übergänge – je klarer die Brücke, desto leichter der Weg.
💡 Erkenntnis: Bevor Neues Platz hat, muss Altes gehen dürfen.
💡 Erkenntnis: Menschen fürchten den ersten Schritt mehr als die Veränderung selbst. Führung bedeutet, diesen ersten Schritt möglich zu machen.
Wenn Führung unbequem ist
Ja, Menschen mögen es nicht, wenn die Realtität kickt und man um Veränderungen nicht mehr herum kommt. Aber sich in Dauerschleife zu beschweren und zu keinem guten neuen Ergebnis zu kommen, kann Führungs- und Teamarbeit richtig viel Kraft kosten und führt zu nichts.
Daher braucht es Deinen Mut, Tacheles zu reden, Klarheit zu schaffen und Deinem Team Orientierung zu geben. Denn die Frage ist nicht, OB Du die „bittere Wahrheit“ ansprichst, sondern WIE Du es tust und wie Du diese Veränderung begleitest.
🔄️ Fällt es Dir schwer, Veränderungen mit Deinem Team umzusetzen?
🔄️ Stehst Du immer wieder vor Widerständen, die Dich ausbremsen?
🔄️ Hast Du das Gefühl, Dein Team will/braucht Veränderung, Ihr steckt aber fest?
🔄️ Suchst Du nach einer Strategie, um Klartext zu reden, ohne Dein Team zu verlieren?
Dann melde Dich! Lass uns gemeinsam herausfinden, wie Du und Dein Team den nächsten Schritt gehen können. Vereinbare jetzt ein Erstgespräch!
Weil Führung Pflege verdient!
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